K38 SURVIVING THE SUBURB

mit Sebastian Post, Cagdas Ozgur Yavuz, Marc Strunck, Jan Hoffmann, Dorothea Brettschneider, Andrej Matison, Christopher Döring, Greta Brix, Katharina Duve, Arturo Rivera, Andrea Bröggelwirth, Björn Ortfeld, Charlotte Pistorius, Arne Piel, Doro Ottermann, David Schatz, Martin Luce, Ton Matton u.a.

eine Publikation erscheint im Spätsommer 2005. Folgendes Intro (PDF) ist von Martin Luce und Sebastian Post:



SIEDLUNGSREDE SIEBEN - KRISE

Die Kernstädte struktur- und geburtenschwacher Regionen sind in einer langfristigen Schrumpfungsphase begriffen. Trotzdem kann es in Einzelfällen zu einer weiteren Ausweitung des sprawl kommen. Die Suche nach einer Mitte beschränkt sich hier nicht mehr auf bestimmte Punkte der Stadt, sondern kann in unterschiedlichen Formen an wechselnden Orten aufkommen. Nun ist zu fragen, was mit den Siedlungen passieren mag, wenn die Bedeutung der Städte auf deren Grundlage sie basieren, abnimmt? Als reine Eigenheimansammlungen sind diese nicht darauf vorbereitet, über ihre reine Wohnfunktion weitere Aufgaben von den Städten zu übernehmen. Sollte diese Aufgabenerweiterung allerdings ausbleiben, und damit eine zu starke Abhängigkeit von den traditionellen Dichtekernen, ist eine aufkommende Krise der Siedlungen wahrscheinlich. Die Bürger werden eine heroische Gelassenheit benötigen, um die unterlassende Versorgung bei dem eventuell eintretenden Stromausfall, dem Verrotten der Kanalisation, Sturm, Hochwasser, Slumbildung, Verkehrsinfrastrukturschäden, der Einstellung des Lastenausgleichs oder dem Zusammenbruch des öffentlichen Nahverkehrs adäquat entgegnen zu können.

SIEDLUNGSREDE ACHT - SEMI-AUTARKIE

Eine mögliche Variante zur Minderung dieser Krisen ist ein Umbau der Siedlungen zu semi- autarken Systemen – Neubaugebiete, welche ohne eine Kopplung zu ihren Städten existieren können. Etliche Funktionen müssten auf die Suburbs verlagert werden.Wie von allein verlören sie den Status des Suburbs, der das Abhängigkeitsverhältnis zur Stadt bezeichnet, und würden die Merkmale eines neuen Typus Dorf tragen. Durch diesen Strukturwandel ließe sich die Privatisierung ganzer Verkehrsflächen in Betracht ziehen, sowie neue Verteilungsmodelle des öffentlichen zu privaten Raums. Warum sollten nicht Genossenschaften oder finanzkräftigere Developer die bestehenden zerfransten Siedlungen mit Mauern umgeben dürfen mittlere Erschließungsachsen planen und neue Arbeits- und Lebenseinheiten schaffen, deren Selbstständigkeit bei weitem steigen wird? Bestehende Einfamilienhäuser könnten in gemeinsame Fonds eingebracht werden und anschließend nach Umbau neue Verteilung finden. Eine Zusammenlegung oder Trennung von Parzellen und Initiativen könnte ständig neu verhandelt werden, und damit individuellen finanziellen Möglichkeiten prozessorientiert angepaßt werden. Gemeinsame Flächen, Plätze und Anbaugebiete können derart ausgewiesen werden. Nach Aufgabe der Einzelhandelszentralität ließen sich kleinste Verkaufseinheiten an bestehende EFH`s anschließen. An anderer Stelle könnte Abriß beschlossen werden, um größere Gärten zu schaffen oder neue kleinere Umzäunungen. Das übrig bleibende Baumaterial wird in informellen Bauten höherer Dichte an anderer Stelle Verwendung finden. Eine stärkere Konfrontation von städtischen und landschaftlichen Elementen kann z.B.Anbauflächen zur Gemüseselbstversorgung und den sich anschließenden Schwarzmarkt selbst erzeugen. Denn die Historie des Einfamilienhausbaues ist ebenfalls die Geschichte einer Nachbarschaftshilfe, welche bis heute einen deutlichen Hang zur Schwarzarbeit entwickelt hat. Trotz oder gerade durch Schwarzarbeit ließen sich neue autonome Regelwerke zu Nutzung, Bauform oder Verhalten ableiten. Die Möglichkeiten sind vielfältig und könnten zu einer Stärkung der Eigenidentität der Siedlungen führen, dessen Fehlen heute so oft bemängelt wird. Die Schaffung einer eigenen Infrastruktur wird neue Verhaltens- und Siedlungsweisen zu generieren wissen. Die Stadt der Moderne wird an vielen Orten nicht mehr gebraucht. Bevölkerungsrückgang und beschleunigter Informationsverkehr tun ihr übriges, um die formal-funktionalistische Ausrichtung nichtig zu machen. Es entsteht ein neuer individueller Feiraum, der alle Wege offen hält für eine vielfältige Siedlungspolitik. Der Spannungsbogen dieser Utopie reicht von der Mittelalterlichen Stadt über die Gartenstadt bis zur Citè Radieuse.

SIEDLUNGSREDE NEUN - ERZAEHLUNG

Unser Suburb ist das Modell der Krise und ihrer Bewältigung. Geben wir den Anwohnern dieser hiesigen Eigenheime eine Erzählung und die Chance ihre Wertebestimmungen zu hinterfragen. Was lieben sie an ihrem Eigenheim? Und was würden sie tun wenn sie dazu verdammt wären? Diese Erzählungen bieten mögliche Antworten. Es werden Strategien entwickelt für die Nabeltrennung der Neubausiedlung in den Zeiten der Krise der Stadt; Entwicklungsschritte für eine omnipotente Siedlungsstruktur.Wir bauen ihnen eine utopische Versorgungsmaschine.

„Wir sind auch Neubauviertelpenner.“ S.283, Sven Regener, Neue Vahr Süd

ein Produktion für STUDIOK38



 
 

 

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